Natur- und Landschaftsschutz
Das betroffene Gebiet ist lt. Burgenländischen Naturschutz- und Landschaftsschutzgesetz 27/1991 als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und wurde per Regierungsbeschluss vom 21.12.2005 als "Naturpark" prädikatiert.Das betroffene Gebiet wurde von der burgenländischen Landesregierung als Natura 2000-Schutzgebiet nach den Richtlinien 79/409/EWG (Vogelschutzrichtlinie) und 92/43/EWG (FFH-Richtlinie) ausgewiesen und an die Europäische Kommission gemeldet. Die für derartige Gebiet EU-weit geltenden Schutzbestimmungen sind daher auch für unseren Raum bindend.
Dr. Michael Dvorak über gefährdete Vogelarten
Im Falle einer geplanten Widmungsränderung mit möglichen Auswirkungen auf die Schutzgüter des Natura 2000-Gebiets ist von der Naturschutzbehörde eine vor allem auf Vogelschutzaspekte konzentrierte Naturverträglichkeitsprüfung (NVP) durchzuführen. Da aber in dem Gebiet auch andere Lebensraumtypen und Tierarten großflächig vertreten sind, die nach der Fauna-Flora Habitatrichtlinie höchste Schutzpriorität besitzen - z.B. die "Pannonischen Trockenrasen" - sind die speziellen Erfordernisse dieser Lebensgemeinschaften ebenfalls zu berücksichtigen.
Im Falle von geplanten Widmungsveränderungen sind folgende negative Effekte auf Vogelarten und deren Lebensräume zu erwarten:
- Flächenverlust und Monotonisierung im empfindlichen sowie strukturell reich gegliederten und biologisch besonders interessanten Übergangsbereich zwischen Wald und offener Kulturlandschaft. Die spezialisierten Bewohner dieses Saumbereichs wären von jeder Bebauung im betroffenen Bereich besonders betroffen: ihr Lebensraum zeichnet sich ja nicht durch flächenhafte Ausdehnung, sondern durch Komplexität und Vielfalt der Grenzlinien auf kleinem Raum aus. Direkte Flächenverluste durch Bebauung und Zubringer fallen hier besonders ins Gewicht. Die strukturreichen und abgestuften Übergänge zwischen Wald und Offenland würden weiters durch die geradlinigen und abrupten Grenzzonen des unmittelbaren Straßenumfeldes ersetzt, mit dem Ergebnis einer erheblichen Monotonisierung. Unter den Vogelarten von europäischer Bedeutung (auf deren Vorkommen die Natura 2000-Würdigkeit des Gebiets beruht) wären von einer Zerstörung der Lebensräume besonders Heidelerche und - in den dem Saum vorgelagerten Hecken und Buschgruppen - Sperbergrasmücke und Neuntöter betroffen
- Barrierewirkung: die vielfach belegte Barrierewirkung von Straßen (z.B. Mader 1979) betrifft all jene Organismen, die in tages- oder jahreszeitlichem Rhythmus kleinere oder größere Ortsveränderungen durchführen - das Spektrum der Arten reicht hier vom Rothirsch bis zum Laufkäfer.
Dr. Michael Dvorak über Heidelerchenkartierung im Leithagebirge
...Das von der Heidelerche bewohnte Gebiet umfasst die hauptsächlich nach Südost geneigten Hänge des Leithagebirges.
Der von der Heidelerche besiedelte Teil des Leithagebirges vermittelt auf weiten Strecken den Eindruck einer reichhaltigen, wärmebegünstigten Kulturlandschaft. Es dominiert der Weinbau, wobei auch heute noch viele Obstbäume, meist Kirschen, landschaftsprägend in den Weingärten und auch in sonstigen Kulturen eingestreut wachsen.
Gerade dieses vielfältige Lebensraummosaik entspricht besonders den Habitatsansprüchen der Heidelerche.
Peter, H. (1999): Heidelerchenkartierungen im Leithagebirge. Burgenländische Heimatblätter 61: 200-210.
...Mitte der 1990er Jahre beherbergten die Abhänge des Leithagebirges mit etwa 70 Revieren das bedeutendste Heidelerchenvorkommen des Burgenlands (Peter 1999).
Der Gesamtbestand für das Burgenland wird für das Jahr 2000 mit 130-150 Brutpaaren angegeben, davon findet sich der Großteil an den Abhängen des Leithagebirges (BirdLife International 2004, Mitt. von BirdLife Österreich). Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Art im Gebiet sogar noch höhere Bestände als bisher vermutet hat, daher dürfte es sich um das wichtigste Brutgebiet Österreichs für die Art handeln. Detaillierte Daten werden im Sommer 2006 vorliegen, da die Naturschutzabteilung des Landes Burgenland eine Studie zur genauen Erfassung der Bestände in Auftrag gegeben hat.
Die Heidelerche ist damit ein hochrangiges Schutzgut im NATURA 2000 Gebiet Neusiedler See Seewinkel.
Dr. Michael Dvorak
Bird Life Österreich






